Gerhard Kummer, der bekannte Autor aus Wien, schreibt zahlreiche Geschichten für (deutschsprachige)
Magazine. Am bekanntesten ist wohl seine Reihe "Neulich im Leben" in der "Wienerin".
Da liegt es doch nahe, dass Gerhard Kummer mal ein Buch schreibt, seinen ersten Roman.
Und er berichtet von sieben Monaten in seinem Heimatdorf nahe der ungarischen Grenze: Gerufen als
einziges "Kind" - das keineswegs häufig aus der "Stadt" zu Besuch kommt - wegen akuter schwerer
Erkrankung seines Vaters, zur Unterstützung seiner (auch nicht mehr gesunden) Mutter.
Diese sieben Monate erweisen sich natürlich als anstrengend und reichlich ungewohnt: Dorfleben für
den längst überzeugten Groß- bzw. Millionenstädter! Nie wollte er doch leben wie andere, wie z. B. seine
Eltern und deren jahrzehntelangem Eheleben im kleinen Dorf - ohne Abwechslung bei Bekanntschaften!!
Seine langjährige Bekannte Lisa überzeugt ihn allerdings telefonisch, dass ein Autor eine Muse braucht...
Und mit der Erkrankung und relativen Besserung der Gesundheit seines Vaters erinnert er sich großer
Teile seines Lebens, nicht zuletzt am stillen, einsamen Silvesterabend. Mitfühlend und liebevoll ist der
schwankende Weg der Besserung gezeichnet, der dann die Rückkehr in sein gewohntes Leben erlaubt.
Aber diese Rückkehr ist zugleich ein Neuanfang: Nach dem Aufenthalt bei einer ungarischen Heilerin!
Aufschlussreich und vielleicht verblüffend (romanhaft?) zeichnet der Autor seinen geistigen (spirituellen)
Weg. Schon zu Beginn des Buches bezeichnet sich der Autor als Freigeist und Yoga-Praktizierenden,
der durchaus mal in der Kirche eine besonders schöne Kerze mitnimmt und die Caritas wegen seines
Vaters bemüht. Immer wieder spürt er eine magische Stimmung, bespricht sich auch einmal mit Cuno
im Jenseits und erlebt des Nachts Schlossgespenster.
Seine Entscheidungsschwäche, auf die ihn die Mutter hinweist, überwindet er besonders durch einen
gründlichen Umbau der Mansarden seines Elternhauses.
Über das Buch vertreut sind übrigens eine ganze Reihe von "Volksweisheiten" und Sprüchen, die dem Text
zusätzlich Farbe geben. Als Beispiele seien hier genannt: Denn Zeit ist ein flüchtiger Stoff bzw. Es sind die
simplen Momente, die einen letztlich glücklich machen, dann wird es philosophischer: Die Unendlichkeit
lag wie ein Haufen Wechselgeld vor mir, oder auch der anonyme Zen-Meister: Es ist nicht die Situation, an
der man leidet, sondern die Interpretation der Situation. Gerne verrate ich die jeweilige Seitenzahl in diesem
anregenden und freundlichen Buch!