Hinter den Kulissen des Wiener Kongresses
Katrin Unterreiner (hier bereits 2023 vorgestellt) hat aus ihrem Arbeitsbereich Habsburger und
die Kulturgeschichte der k.u.k.-Monarchie den Wiener Kongress herausgenommen und in dem
vorliegenden Buch eine amüsante und anregende Darstellung des - ja nicht unbearbeiteten -
Wiener Kongresses vorgelegt: Blicke auf die im und rund um den Kongress wichtigen Frauen,
aber auch Geschehnissen und weiteren Personen. Dabei enthalten sind durchaus wichtige
sachliche Erläuterungen wie beispielsweise zum (in der Regel) protokollfreien Salon und dessen
Bedeutung für sowohl die Arbeit als auch die Atmosphäre des (nicht nationalistischen) Kongresses.
Gegliedert ist das Buch in vierzehn Abschnitte. Der passenden Einleitung folgt dann eine Skizze,
wie der Kongress, der ja nie offiziell eröffnet wurde, sich formiert. Sie gliedert die Personen "In
der ersten Reihe", "im Zentrum", Personen in absteigender Wichtigkeit usw. Ein eigener Abschnitt
gebührt natürlich dem zurückhaltend agierenden Kaiserpaar: "Die Gastgeber: Kaiser Franz und
Kaiserin Maria Ludovika". Der Kongress hatte so ziemlich erstmals entscheidungsberechtigte
Herrscherinnen und wichtige "Influencerinnen", nicht nur die "üblichen" Begleiterinnen.
Sehr aufschlussreich sind auch die Darstellungen einerseits der logistischen Leistungen als auch
der "erfolgreichen" Tätigkeit von Polizei und Geheimpolizei. Vorbildlich war die Kommunikation
des Kongresses - nicht zuletzt der kulturelle Teil - und alles führte zu horrenden Kosten.
Gut eingefügt werden auch Stimmungsbilder (aus) der Wiener Bevölkerung, die das Geschehen
im und rund um den langdauernden Kongress erleben durfte bzw. zunehmend erleiden musste.
Napoleons überraschender Zug von Elba nach Paris zurück führte dann zu einem zügigen Ende
des Kongresses. Die zahlreichen Ergebnisse werden skizziert in den Abschnitten "Die Schlussakte-
komplexe Logistik zum Abschluss" und "Altes neues Europa".
Ein Ergebnis der Arbeit steht schon zu Beginn fixiert: "Die begleitende Atmosphäre dürfte für ein
Abkommen, das Bestand haben soll, doch wichtiger sein, als vielfach angenommen".
Eine oftmals nicht berücksichtigte Beobachtung - in der Tat.
Angenehm auch in dieser Arbeit von Katrin Unterreiner sind die hilfreichen Abschnitte "Endnoten",
"Quellen und Literatur" sowie "Bildverzeichnis". Im Werk enthalten sind zwölf ganzseitige sowie
siebenundzwanzig kleinere Abbildungen, die den gefällig gestalteten Text (in diversem Rosaton)
unterstützen, nicht überlagern. Ein lesenswertes und lesbares Buch!!
(Nur eine kleine Frage am Rand: Ist es möglich, von 100.000 Gästen zu sprechen (S. 18)?)