Barbara Haas ist Journalistin und Podcasterin. Seit 2021 ist sie wieder bei der "Kleinen
Zeitung" und bearbeitet dort den gesellschaftspolitischen Podcast "fair & female" .
Das Buch passt genau zum Internationalen Frauentag (8. März) und stellt eine einsichtige
Darstellung der Autorin dar über die moderne Entwicklung des Frauenbildes und das Retro
Denken. Barbara Haas beschreibt ihre Sichtweise überzeugend - und sympatischerweise
mit einem recht korrekten Blick auf das dominierende Frauenbild früherer Jahrzehnte.
Beeindruckend ist hier der Bericht der Mutter der Autorin (Kapitel 5), aber auch das Erzählen
von Frauen, die sich von einem (oft mit Gewalttätigkeit verbundenen) Frauenleben wirklich
befreien konnten.
Als besonders nützlich finde ich dabei die ausführliche Berücksichtigung von religiösem
Einfluss - ein Aspekt, der in unserer eher areligiösen Epoche weithin unterdrückt wird.
Und die Beispiele der old-school- Influencerinnen sind wirklich überzeugend: Dieses Bild
einer Frau, die eine quasi hauptberuflich attraktive und geradezu geniale Hausfrau darstellt.
Dazu fließen noch die Moneten! Die Autorin stellt ihren eigenen Standpunkt erfreulicherweise
klar: "Katholikin, Christin, Mutter". Das Buch gefällt mir sehr gut gerade in seiner ausgeglichenen
und doch sehr engagierten Darstellung, um sich mit dem Frauenbild heute zu befassen und sich
eigene Gedanken zu machen.
Und dennoch bleibt mir eine Fragestellung offen: Ist die Freiheit und (natürlich auch finanzielle)
Selbstbestimmung, die bei den Tradwives pauschal und grundsätzlich vermisst wird
- möglichst ohne dass dies den Frauen angesichts der langen Tradition bewusst ist - denn beim
modernen Frauenbild wirklich durchgehend vorhanden? Zum Beispiel bei der Fließbandarbeiterin?
Oder ist andererseits bei den Amischen Mennoniten kein Ausscheren aus dem traditionellen
Bild möglich ? (Und hier geht es nicht um Geld oder geradezu Millionen!) Frau kann hier wählen:
Es wäre doch wohl arrogant, zu sagen, die Frauen mit dem alten Bild und Vorbild seien unfähig
zur Moderne....
Ich denke, man/frau sollte endlich Ernst Bloch zu verstehen suchen
mit seiner "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen". Dann ist es unnötig, sich über freiwillige (!)
Kopftuchträgerinnen Gedanken zu machen oder über die "Genehmigung" der alten lateinischen
Liturgie der katholischen Kirche. Oder ist es nur altmodisch, in einer TV-freien Familie zu leben?
Natürlich liegt uns allen das moderne Frauenbild nahe, aber müssen Andersdenkende hier
zum richtigen Bewußtsein sozusagen bekehrt werden, sozusagen als stetige Rebellion??