Claudia Grünig: surprise for you Sa, 17.01.2026
Die großen Räume des Kunstvereins sind genau passend für die Präsentation einer Vielzahl (120!) von Werken der recht vielseitigen Künstlerin Claudia Grünig. Geboren 1965 in Köln studierte sie 1986-1991 an der dortigen Fachhochschule für Kunst und Design. Sie begann ihre Tätigkeit bereits 1990 freiberuflich und hatte ihre Schaffensschwerpunkte zunächst in der Malerei, dann bald bei Trickfilm, Animation, Theater- bzw. Bühnengestaltung und -fotografie und allgemein als Fotokünstlerin.

Bereits 1990 begann auch ihre Ausstellungsarbeit in Gruppen- bzw. Einzelausstellungen in ihrer Heimatstadt Köln (hier präsentiert sie mehrfach Ihre Werke) bis hin 2025 zu einer Gruppenausstellung in Essen. Parallel zum Schwerpunkt des Vorstellens ihrer Arbeiten im Bereich Westdeutschlands kommen einige Ausstellungen in Amerika und im Westen Asiens (Pakistan, Kirgisistan, Tadschikistan).

In Bayern stellte die Künstlerin im Ringtheater Amberg und in Kastl aus (jetzt folgt endlich die große Ausstellung in Regensburg!), in Österreich gestaltete sie Bühnen 2003 für dietheater, Wien und dann den posthof, Linz (2004). Inszenierte Photoarbeiten stehen derzeit in einer Reihe von Ausstellungen verschiedener Künstler und verschiedener Galerien zentral im Interesse des Publikums.

Die Arbeiten von Claudia Grünig fallen in diesem Rahmen besonders auf, da sie den Betrachter/ die Betrachterin so nahe mit der Wirklichkeit konfrontieren, dass sie die so gestalteten "wahren Lügen" nur mit Mühe erkennen. Im Gespräch erklärte die Künstlerin auf meine Frage nach den generell fehlenden Jahreszahlen der Entstehung der Exponate, sie handle bewusst so, da Jahreszahlen eine Gliederung der Werke nach neu, älter usw. ermögliche, die sie überhaupt nicht wünsche. Denn sie arbeite nach thematischen Zyklen - und die gelten nach Fertigstellung zeitlich übergreifend. Diese Zyklen sind z.B. "Die Buchhändlerin", "Die junge Hühnerzüchterin", "Milchmädchen" bzw. "Worpswede I" und Worpswede II". Claudia Grünig, die ihre Ausstellung quasi als eigene Kuratorin gestaltete, wählte besonders die Zyklen "Porträts" (16 Exponate), "Märchen und Sagen" (20 Exponate) sowie "Nachbarn" (31 Exponate) aus: alles eindrucksvoll mit Freude am Detail. Die jungen Frauen auf den Exponaten hat die Künstlerin durch Ausschreibungen für ihre Arbeit gewonnen - eine sehr bemerkenswerte Methode! in der Tat! Mir gefällt übrigens das Exponat "Telefongespräch aus dem Zyklus "Nachbarn" - mit zwei Telefonen, die nicht benutzt werden... Sehr empfehlenswert ist der wirklich gelungen gestaltete Katalog: Claudia Grünig: True Lies (2023).

Das Bildcomposing von Claudia Grünig unterscheidet sich in Thematik und Gestaltung deutlich vom Bildcomposing von Lena Schabus, das ich hier 2022 und 2023 notiert habe. Die Letztgenannte arbeitet oft mit Großformaten von großen Landschaftsbereichen und Industriekomplexen sowie der Zusammenfügung von Fotos - ganz im Gegensatz zu Claudia Grünig. Es wäre sehr erfreulich, Claudia Grünig bei Präsentationen auch in Wien zu sehen - evtl. gegenübergestellt zu Lena Schabus.