DER KIRSCHGARTEN Fr, 29.05.2026
Von Anton Tschechow

Sie sind hochverschuldet, doch anstatt daran etwas zu ändern, pflegen sie Befindlichkeiten, stellen Großzügigkeit zur Schau, halten moralinsaure Vorträge, feiern Parties und leihen sich noch was bei den Nachbarn. Sie reden statt zu handeln. Das ist keine Politsatire unserer Zeit, sondern Anton Tschechows tragische Farce Der Kirschgarten rund um die entsetzliche Familie der Gaevs und ihr russisches Adelsgut. Tschechows letztes Stück — eine Welt, in der Gefühl Ethik ersetzt hat, Ideologie das Denken, Leiden das Handeln, Großzügigkeit die Verantwortung — und niemand den Unterschied bemerkt. Geschrieben 1903, während die Kampforganisation der Sozialrevolutionäre Minister ermordet und sich die russische Sozialdemokratische Partei in Bolschewiki und Menschewiki spaltet. Uraufgeführt am Moskauer Künstlertheater neun Tage vor Ausbruch des Russisch-Japanischen Krieges. Sechs Monate später ist Tschechow tot. Zwölf Monate später schießt die Garde vor dem Winterpalast auf eine Arbeiterdemonstration. Die erste russische Revolution bricht aus. Das 20. Jahrhundert beginnt.

Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Die Human Acting Meisterklasse 2025/26 spielt den Kirschgarten als das, was Tschechow geschrieben hat: eine Komödie.

mit Maria Anvidalfarei, Georg Duffek, Stefan Fleischmann, Bernd Gordon, Filip Kajmakoski, Pia Lettner, Michael Meier, David Nagl, Mariya Olshanska, Gerhardt Ordnung, Ines Reibnegger, Lukas Schawarz, Maria Winkler

PR (Kerstin)