OTTO MUEHL. Kunst am Abgrund Mi, 09.09.2026
Das WIENER AKTIONISMUS MUSEUM widmet sich einem herausfordernden Projekt: einer Ausstellung des künstlerischen Schaffens von Otto Muehl. Über 150 seiner Gemälde, Objekte, Filme und Druckgrafiken werden präsentiert und zur Diskussion gestellt.

Sechs Kapitel zeichnen Muehls künstlerische Entwicklung von den frühen 1960er Jahren bis zu seiner Verhaftung und Verurteilung im Jahr 1990 nach. Beginnend mit der aktionistischen Malerei und der Destruktion des Tafelbildes über ausgewählte Aktionen aus der Kernzeit des Wiener Aktionismus bis zur umfangreichen Serie der Politikerporträts – von Ho Chi Minh und Konrad Adenauer über Charles de Gaulle und Mosche Dajan bis zu Mao Tse-tung und Prinz Charles –, bilden Muehls Schaffensjahre vor der Kommune den ersten und umfangreichsten Teil der Ausstellung.

Ein eigenes Kapitel widmet sich der Gründung der Kommune, ihrer Entwicklung am Friedrichshof, ihren gesellschaftlichen und sozialtheoretischen Hintergründen sowie dem Scheitern des Kommune-Projekts nach der Verurteilung von Otto Muehl aufgrund von sexuellem Missbrauch von Unmündigen und Minderjährigen.

Aus den beiden Jahrzehnten der Kommune wird die Ausstellung den Schwerpunkt auf zwei Zyklen legen: Muehls Rückkehr zur Malerei und seine Auseinandersetzung mit dem Neo-Expressionismus der Neuen Wilden zu Beginn der 1980er Jahre, sowie – im Gegensatz dazu – zwei späte Serien, in denen formal die lineare Zeichnung dominiert. Inhaltlich steht in diesen beiden Zyklen die Ruhe und Schönheit der Parndorfer Heide der aus den Fugen geratenen, taumelnden Welt gegenüber: Ausdruck des Verlusts von trügerischer Stabilität und Sicherheit, biographisch wie gesellschaftlich.

PR (Kerstin)